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HEXADEZIMAL I

2025
2-teilig, Bronze patiniert

Die Werke von Angela Schilling zeichnen sich immer wieder durch das Spiel der Gegensätze aus. So verwandeln sich unter ihren Händen Gewehre in vermeintlich unschuldige Steckenpferde oder treffen funkelnde Diamanten auf kalten Stahl. Auch in ihrer neuen Serie HEXADEZIMAL befasst sich die Künstlerin mit scheinbar Widersprüchlichem – dem Menschen und der Maschine. Genauer gesagt: dem Computer. Dabei bildete die Frage nach der gemeinsamen Kommunikation, im Sinne einer für beiden Seiten verständlichen Sprache, den Ausgangspunkt.
Nun ist es eigentlich so, dass der Computer bei seinen Berechnungen auf das sogenannte Binärsystem zurückgreift. Er kann also nur zwischen zwei Zuständen unterscheiden: AN und AUS. Dies wird durch die Zahlen „0“ und „1“ ausgedrückt. Je komplexer eine Aufgabe, desto länger wird die Reihe, die aus den beiden Zahlen besteht – für den Menschen irgendwann kaum oder gar nicht mehr nachvollziehbar. Um zumindest für Fachleute die Kommunikation mit der Maschine sicherzustellen, wird in der Computertechnik das sogenannte Hexadezimalsystem angewendet. Es ist eine Art Schnittstelle zwischen dem Binärsystem und dem Dezimalsystem, das wir auch in unserem Alltag anwenden. Als Beispiel: Der Buchstabe „A“ ist im Binärsystem „01000001“ oder hexadezimal ausgedrückt die „41“.

Bei HEXADEZIMAL nutzt Angela Schilling eben jenes System, um sich den großen Themenfeldern der Kunstgeschichte anzunähern. Das Ergebnis sind fast archaisch wirkende Bronzegebilde, die sich weder von Computerfachleuten noch von Kunsthistorikern oder von Maschinen so leicht entschlüsseln lassen, da Zahlen und Buchstaben, die für bestimmte Informationen stehen, durch die Künstlerin neu kombiniert und somit durcheinandergebracht wurden.
Die eigentlich universelle Sprache wird dadurch zur Geheimsprache. Im Vordergrund steht plötzlich nicht mehr der inhaltliche Gehalt, sondern vor allem der visuelle Reiz. Die optische Wahrnehmung ist dabei individuell und bietet immensen Spielraum für eigene Interpretationen. Die besitzende Person erhält allerdings von der Künstlerin einen Hinweis auf das Dargestellte: Auf einer kleinen Bronzetafel gibt sie ganz klassisch das kunsthistorische Sujet wieder.

Thomas Hensolt, Kunsthistoriker